11.09.2020

Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind

Gedanken zur Gemeinschaft - ein spiritueller Impuls von Barbara Reene-Spillmann

„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen…“ Gerne singen wir diesen Kanon in Gruppen und Gemeinschaften, bei Treffen, vor den Mahlzeiten und in Gottesdiensten.

Wie wichtig uns Gemeinschaft ist, das spürten wir in den Zeiten des Kontaktverbotes, und das spüren wir immer noch, wenn wir geselliges Beisammensein vermissen. Digitale Angebote können das nicht wirklich ersetzen, und dem Slogan „Nähe durch Distanz“ konnte ich nur sehr bedingt zustimmen. Menschliches Miteinander, gemeinsam Freuden und auch Probleme zu teilen, ist ein elementarer Bestandteil unseres Lebens. Und da ist ja auch Jesu Zusage, in jeder noch so kleinen Gemeinschaft gegenwärtig zu sein.

Allerdings gibt es keine Gemeinschaft ohne Konflikte. Die Idylle der Apostelgeschichte „Seht, wie sie einander lieben“ (Apg 4,32 ff) trifft auf eine Realität, in der Menschen unterschiedlichen Charakters und Interessen miteinander auskommen sollen. Und da gibt es aus meiner Sicht zwei wichtige Parameter, an denen wir uns orientieren können.

Wir bleiben miteinander im Gespräch! Gerne reden wir übereinander oder schweigen Konflikte tot. In Mt 18,15 -20 gibt es eine klare Aufforderung Jesu, dem anderen mitzuteilen, was einen stört „Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, dann gehe und weise ihn unter vier Augen zurecht.“ Was uns heute beim ersten Hören als Einmischung oder autoritär erscheint, heißt übersetzt: „Wenn dich am Verhalten des anderen etwas stört, sage es ihm.“ Nur so erfährt er davon. Beziehungen zerbrechen, weil nicht miteinander geredet und Signale nicht gedeutet wurden. Das soll unter vier Augen passieren, damit der andere nicht bloßgestellt wird. Vielleicht brauchen wir aber bei Konflikten auch mal Außenstehende, Moderatoren, die bei verhärteten Fronten die Situation sachlicher betrachten und ausgleichen können. Mt 18,16 beschreibt das so: „Hört er aber nicht auf dich, so nimm ein oder zwei mit dir…“ Gemeinschaft ohne Gespräch funktioniert dauerhaft nicht!

Wir achten einander! Im anderen das Ebenbild Gottes zu sehen, der genauso geliebt und angenommen wird wie ich selbst, dieser Anspruch leitet sich aus der Schöpfungsgeschichte ab. Aber auch da ist die gelebte Realität, dass wir in Familie, Freundes- und Kollegenkreis, in Gruppen und Gemeinschaften auf Menschen treffen, die anders „ticken“, die genau wie ich ihre Eigenheiten haben und ausleben. Und das ist grundsätzlich gut so, denn nur so entsteht lebendige Gemeinschaft, sie lebt von der Vielfalt und Andersartigkeit. Meine Schwächen und Defizite sind die Stärken und Talente des anderen und umgekehrt. Wir brauchen die impulsiven und die nachdenklichen, wir brauchen die konservativen und die innovativen Geister. Sie sind nicht besser oder schlechter, wir bereichern einander. Ein guter Freund drückte es zu Beginn unserer Beziehung wie folgt aus: „Obwohl wir aus ganz anderen Lebenszusammenhängen kommen, haben wir unsere Andersartigkeit nie als Abgrenzung, sondern immer als Bereicherung erfahren.“ 

Hermann Hesse formulierte es so: „Es ist nicht unsere Aufgabe einander näherzukommen, so wenig wie Sonne und Mond zueinander kommen oder Meer und Land. Unser Ziel ist einander zu erkennen, und einer in dem anderen das zu erkennen, was er ist: des anderen Gegenstück oder Ergänzung.“

Ich bin mir sicher, dass Jesus in einer solchen Gemeinschaft mittendrin ist!

Text & Foto: Barbara Reene-Spillmann

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