05.09.2020

Ich fühle mich berufen…

Fühlen Sie sich berufen? Wahrscheinlich beantworten Sie diese Frage mit einer Gegenfrage: „Wozu sollte ich mich berufen fühlen?“

Religion und Berufungsgeschichten gehören zusammen, da ist natürlich die Berufungsgeschichte am See Genesareth, in der Jesus die ersten Jünger, Petrus, Johannes und Jakobus in seine Nachfolge holt.

Die Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas beschreiben die Situation ähnlich, im Lukas Evangelium (5,1 -11) wird sie sehr ausführlich dargestellt. Gemein ist allen Beschreibungen die Radikalität der Nachfolge: Die Jünger lassen alles liegen und stehen und folgen Jesus nach.

Mt 10,37 unterstreicht diese Radikalität noch: “Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert…“ Im Markus Evangelium hingegen bleiben die Jünger zunächst noch in den familiären Zusammenhängen, denn im Anschluss an die Berufung der Jünger kehrt Jesus in das Haus des Petrus ein, um dessen Schwiegermutter zu heilen (Mk 1,29 f)

Die Radikalität der Nachfolge prägte dann aber die Berufungsgeschichten der christlichen Tradition, und in dieser Tradition stehen auch   viele Heiligenlegenden: Der Ruf Gottes, oft eine Stimme im Traum, fordert zur Umkehr und Änderung der Lebenssituation auf, so wird aus dem reichen Kaufmannssohn Franz von Assisi der Bettler und Einsiedler, der keine Konflikte mit seinen Eltern und seinem sozialen Umfeld scheut, um der neuen Spur zu folgen.  

Auch den geistlichen „BeRUFen“ haftet ein solches Mysterium an: Frauen und Männer, die sich für ein klösterliches und priesterliches Leben entscheiden mit all den damit verbundenen Konsequenzen, berichteten oft von Schlüsselerlebnissen, bei denen sie eine Aufforderung Gottes hörten, der sie dann folgten.  

Sprechen wir heute über geistliche Berufe, so geschieht das ganz oft im Kontext der Mangelsituation: Immer weniger Menschen entscheiden sich für ein Leben im geistlichen Stand. Wird Gottes Ruf leiser oder die Welt einfach nur lauter? Ist die beschriebene Radikalität abschreckend, nicht mehr umsetzbar? Ist die Messlatte zu hoch? 

Jesus fordert viel und doch nicht viel: Er möchte nur, dass wir seine Liebe in diese Welt hineintragen und sie spürbar werden lassen. Dazu brauchen wir nicht unbedingt ein Großereignis, die Stimme aus der Wolke. Vielmehr ergeht der Ruf Jesu an mich in einer ganz normalen Alltagssituation, in der ich auf einmal spüre: Da wirst du gebraucht, da kannst du etwas ändern, auch wenn du deine eigenen Interessen vielleicht zurückstellen musst. Diese Erfahrung hat jede und jeder von uns schon einmal gemacht. Auch das ist eine BeRUFung, Glauben und Alltag miteinander in Verbindung zu bringen. In diesem Sinne fühle auch ich mich in meinem normalen Lebenskontext berufen und kann dadurch „Menschenfischerin“ werden, trage durch mein Tun Jesu Botschaft in die Welt.

Das „Menschenfischerlied“ aus Südamerika drückt das so aus:

Du Jesus, kamst zu uns an das Ufer

Stolz und Reichtum war nicht dein Begehren,

du rufst und willst,

dass wir dir folgen

Du kamst, Herr, als zusammen wir saßen

Gütig lächelnd nennst du jeden beim Namen

Boot und Netze hab ich liegen gelassen,

und mit dir geh ich den Weg nun zusammen

Du brauchst mich und die Kraft meiner Hände

Meinen Frieden brauchst du für die Menschen

Mein ganzes Herz und meine Liebe

Du kamst Herr…

P.S.: Bei meinen Recherchen zum heutigen Impuls irritierte mich allerdings, dass auf der Homepage unseres Bistums Informationen zum Thema „Berufung“ der Sparte „Kirche kann Karriere“ zugeordnet sind. Wozu hat Jesus die Jünger und auch uns berufen…Karriere zu machen oder seine Botschaft der Liebe in die Welt zu tragen?

 

Ein Wochenimpuls von Barbara Reene-Spillmann, KAB Essen

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