30.07.2020

…damit er ihn bebaue und behüte

Ein spiritueller Impuls von Barbara Reene-Spillmann

Wir haben einen großen Garten. Dazu gehört der „Vorgarten“, ein Bauerngarten mit vielen Blumen, und dazu gehört auch der Nutzgarten mit Obstbäumen und zahlreichen Gemüsesorten. Aktuell werden im Moment Bohnen, Gurken, Möhren, Tomaten, Mangold und Pflaumen geerntet, Spitzkohl, Erbsen und Maistielmus sind bereits eingefroren, ein Teil der Pflaumen eingekocht.

Das klingt ein wenig nach vergangener Idylle und löst bei vielen Menschen, denen ich davon erzähle, Sehnsüchte aus, denn sie erinnern sich an die Gartenerlebnisse ihrer Kindheit, gehörte doch die eigene „Scholle“ gerade im Ruhrgebiet zur Wohn- und Lebensqualität. Aber damit verbunden sind auch oft Erinnerungen an Ferientage, die nicht zur freien Verfügung standen, sondern an denen Kirschen entkernt, Erbsen „gedöppt“ und Bohnen „geschnibbelt“ wurden. Und das stimmt: Ein Garten bedeutet Arbeit. Da ist in den letzten heißen Sommern die stetige Bewässerung, da ist der Kampf gegen das Unkraut und eben die Ernte und Verarbeitung.

Im jahwistischen Schöpfungsbericht setzt Gott den Menschen in den Garten Eden, damit er „ihn bebaue und behüte“ (1 Mos 2,15). Der Mensch ist quasi Verwalter und Gärtner. Auf den ersten Blick gefällt mir dieses Bild besser als die Formulierung des priesterschriftlichen Schöpfungsberichtes „machet sie euch untertan und herrscht über die Fische des Meeres, die Vögel des Himmels…“ (1 Mos 1,28).

Wäre es nicht wunderbar, wenn wir mit der Schöpfung umgingen wie mit unserem eigenen Garten? Wir ernten, aber wir rauben nicht aus… wir geben ihr, was notwendig ist… wir bebauen sie so, dass sie auch zukünftig Erträge bringen kann… wir pflegen sie, unterlassen das, was schadet…

Frühere Generationen spürten die Auswirkungen von schlechtem Ertrag und Missernten direkt, sie konnten nicht im Supermarkt etwas dazukaufen, das am anderen Ende der Welt oft unter niedrigsten Sozialstandards und ohne Rücksicht auf Ökologie angebaut wird.

Die „Fridays for Future-Bewegung“ gibt Anlass zur Hoffnung, dass in der jungen Generation da wieder ein Bewusstsein wächst.

Der Psalm 8 preist Gott als Schöpfer und den Menschen als Krönung seiner Werke. „Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt“. Dieses an den priesterschriftlichen Schöpfungsbericht angelehnte Bild ist aber kein Freibrief „Hofstaat“ zu halten, sondern ein Aufruf, für das Verantwortung zu übernehmen, was Gott uns anvertraut hat: Im gekrönten König der Schöpfung muss also ebenso ein wenig „Gärtner“ stecken. Der behutsame und achtsame Umgang mit seinen Werken ist gemäß Psalm 8 auch eine Form von Gotteslob.

Und dass Gott sehr bewusst Menschen als Verwalter in seinen Garten Eden setzte, bestätigt diese kleine Geschichte, die am Ende noch mal zum Schmunzeln einlädt

Ein Pfarrer traf einen Mann, der im Garten vor seinem Haus arbeitete. Sie kamen ins Gespräch, und der Pfarrer sagte voller Anerkennung: „Da haben Sie sich mit Fleiß und Gottes Hilfe aber einen schönen Garten angelegt!“ „Das kann man wohl sagen, Herr Pfarrer“, antwortete der Hausbesitzer, „aber Sie hätten einmal sehen sollen, wie das Grundstück aussah, als der liebe Gott hier noch alleine gearbeitet hat!“ Quelle unbekannt

Text & Foto: Barbara Reene-Spillmann

Inter(+)aktiv

Treten Sie mit uns in Kontakt

mehrweniger

Adresse

KAB im Bistum Essen
An St. Ignatius 8
45128 Essen
Telefon: 0201 / 878910

Mitglied werden

Hier steht der Mensch im Mittelpunkt.

Jetzt informieren