Wer Leistung fordert, muss Sicherheit geben

Leistung gehört zum Leben. Menschen wollen arbeiten, Verantwortung übernehmen und mit ihrer Arbeit etwas bewirken. Doch wer Leistung einfordert, darf die Bedingungen nicht ausblenden, unter denen Menschen diese Leistung erbringen sollen.

Als KAB im Bistum Essen sagen wir deshalb klar: Wer Leistung fordert, muss Sicherheit geben.

Im politischen Diskurs ist derzeit häufig davon die Rede, dass in Deutschland mehr gearbeitet werden müsse, dass sich Leistung wieder stärker lohnen solle und dass Sozialleistungen enger an Mitwirkungspflichten gebunden werden müssten. Bundeskanzler Friedrich Merz kritisierte zuletzt, die Arbeitsleistung der deutschen Volkswirtschaft sei nicht hoch genug. Zugleich wird über längere oder flexiblere Arbeitszeiten sowie grundlegende Reformen des Sozialstaats diskutiert.

Die KAB warnt davor, Leistung einseitig nur als Forderung an Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Arbeitslose oder Menschen mit geringem Einkommen zu verstehen. Wer mehr Einsatz verlangt, muss auch für verlässliche Arbeitsbedingungen, faire Löhne, Gesundheitsschutz und soziale Absicherung sorgen.

Leistung entsteht nicht durch Druck allein. Sie braucht Anerkennung, Vertrauen und Perspektive. Menschen können dauerhaft nur dann gute Arbeit leisten, wenn sie nicht ständig um ihren Arbeitsplatz, ihre Wohnung oder die Versorgung ihrer Familie fürchten müssen. Sicherheit ist deshalb kein Gegensatz zu Leistung, sondern ihre Voraussetzung.

Besonders deutlich wird das in der aktuellen Reform der Grundsicherung. Seit dem 1. Juli 2026 ersetzt das Grundsicherungsgeld das bisherige Bürgergeld. Mit der Reform werden die Vermittlung in Arbeit und Ausbildung gestärkt und Mitwirkungspflichten verbindlicher gefasst. Gleichzeitig bleibt es entscheidend, die individuelle Lebenssituation der betroffenen Menschen zu berücksichtigen.

Aus Sicht der KAB darf der Sozialstaat nicht auf Kontrolle und Sanktionen reduziert werden. Menschen verlieren ihre Arbeit nicht automatisch aus mangelndem Willen. Krankheit, fehlende Qualifikation, Sorgearbeit, psychische Belastungen oder ein Mangel an passenden Arbeitsplätzen können Gründe dafür sein, dass der Weg zurück in Beschäftigung schwierig ist.

Der stellvertretende Diözesanvorsitzende Bernd Wagner betont: „Wer Leistung fordert, muss Sicherheit geben. Menschen brauchen faire Chancen, verlässliche Arbeitsbedingungen und einen Sozialstaat, der sie nicht unter Generalverdacht stellt, sondern ihnen den Rücken stärkt.“

Ein leistungsfähiger Sozialstaat schützt nicht nur Menschen in Not. Er schafft Stabilität und sozialen Frieden. Auch in der politischen Debatte wird hervorgehoben, dass soziale Sicherheit die Kaufkraft stärkt, gesellschaftlichen Zusammenhalt fördert und Menschen in schwierigen Lebensphasen auffängt.

Als christliche Arbeitnehmerbewegung erinnern wir daran, dass der Wert eines Menschen nicht von seiner wirtschaftlichen Leistung abhängt. Jeder Mensch besitzt eine unveräußerliche Würde. Diese Würde gilt im Betrieb ebenso wie bei Arbeitslosigkeit, Krankheit oder im Alter.

Leistung verdient Anerkennung. Doch eine gerechte Gesellschaft fordert nicht nur, sondern übernimmt auch Verantwortung. Sie schützt vor Armut, verhindert Ausbeutung, eröffnet Bildung und Qualifizierung und sorgt dafür, dass Arbeit ein Leben in Würde ermöglicht.

Wer Leistung fordert, muss deshalb Sicherheit geben: durch gute Arbeit, faire Löhne, Mitbestimmung und einen verlässlichen Sozialstaat.

 

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