Betriebsräte sind kein Randthema des Arbeitslebens, sondern ein zentraler Ausdruck von Demokratie, Verantwortung und Solidarität im Betrieb.
Als KAB im Bistum Essen halten wir daran fest: Demokratie endet nicht am Werkstor. Wo Menschen arbeiten, müssen sie auch mitreden, mitgestalten und ihre Interessen wirksam vertreten können. Gerade in Zeiten von wirtschaftlichem Druck, Unsicherheit und tiefgreifenden Veränderungen in der Arbeitswelt braucht es starke Mitbestimmung und verlässliche Arbeitnehmervertretungen.
Wie aktuell dieses Thema ist, zeigt auch die politische Debatte auf Bundesebene. Bundeskanzler Friedrich Merz hat in diesem Jahr erklärt, er würde „wahrscheinlich das Arbeitszeitgesetz streichen“. Zugleich sieht der Koalitionsvertrag vor, statt der bisherigen täglichen Höchstarbeitszeit eine wöchentliche Höchstarbeitszeit zu ermöglichen. Das wird mit mehr Flexibilität begründet, berührt aber unmittelbar den Schutz der Beschäftigten und die Frage, wer über Zeit, Belastung und Gesundheit im Arbeitsalltag mitentscheidet.
„Gerade deshalb sind Betriebsräte unverzichtbar. Sie setzen sich für faire Arbeitsbedingungen, gerechte Arbeitszeiten, den Schutz der Gesundheit und einen respektvollen Umgang im Betrieb ein“, betont der stellvertretende Diözesanvorsitzende Bernd Wagner. „Sie geben Beschäftigten eine Stimme und sorgen dafür, dass Interessen nicht übergangen, sondern vertreten werden. Wo Arbeitszeiten flexibler werden sollen, darf das nicht zu einseitigen Belastungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer führen. Flexibilität darf nicht heißen, dass der Schutz der Beschäftigten geschwächt wird.“
Für die KAB gehört Mitbestimmung deshalb untrennbar zu guter Arbeit. Starke Betriebsräte sind ein entscheidender Teil einer gerechten Arbeitswelt, weil sie dafür sorgen, dass der Mensch nicht zum bloßen Objekt wirtschaftlicher Interessen wird, sondern Subjekt mit Würde, Rechten und Verantwortung bleibt. Das entspricht auch dem Selbstverständnis der KAB als Bewegung für soziale Gerechtigkeit, demokratische Mitbestimmung und die Interessenvertretung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.
Mit dem Abschluss der Betriebsratswahlen verbindet die KAB daher Dank und Ermutigung: Dank an alle, die kandidiert, gewählt und Verantwortung übernommen haben. Und Ermutigung an alle Beschäftigten, Mitbestimmung auch in Zukunft als wichtigen Bestandteil einer menschenwürdigen und solidarischen Arbeitswelt zu verteidigen. Denn gute Arbeit braucht nicht nur faire Bezahlung und sichere Bedingungen, sondern auch echte Beteiligung und starke Vertretung.