Nikolaus Groß, Bergmann, christlicher Gewerkschafter, Journalist, hauptamtlicher Mitarbeiter der KAB, Familienvater, Widerstandskämpfer und Märtyrer wird am 7. Oktober in Rom seliggesprochen. Damit wird die Lebensleistung eines Mannes anerkannt, der nach Monaten der Haft und der physischen und psychischen Folter am 23. Januar 1945 von den Nazi - Schergen in Berlin - Plötzensee hingerichtet wurde . Nikolaus Groß war mutiger Bekenner in einer Zeit der Unterdrückung und Tyrannei und besaß die innere Freiheit und Tapferkeit, sich dem auflösenden Zeitgeist entgegen zu stellen. Er lebte getragen von seinem Glauben, seiner Familie und seiner KAB. Er bezahlte seine Überzeugungen mit seinem Leben.

In seinem konsequenten Einsatz gegen das menschenverachtende und verbrecherische Nazi - Regime war Nikolaus Groß "Überzeugungstäter". "Wenn wir heute nicht unser Leben einsetzen, wie sollen wir dann vor Gott und unserem Volk einmal bestehen?" Mit dieser rhetorischen Frage antwortete Nikolaus Groß am 19. Februar 1944 auf Bedenken des Diözesanpräses der KAB Paderborn, Caspar Schulte, der ihn gefragt hatte, ob er mit seinen Aktivitäten im Widerstand gegen das NS - Regime, als Vater von sieben Kindern, nicht ein Risiko eingehen würde. Einige Monate später, am 15. Januar 1945 zeigte sich, das die Befürchtungen von Präses Caspar Schulte sich bewahrheiteten. Roland Freisler, der vorsitzende "Richter" des Volksgerichtshofes, verurteilte Nikolaus Groß zum Tode mit den Worten: "Er schwamm mit im Verrat, muss folglich auch darin ertrinken."

Die Idee für die Nikolaus Groß lebte, arbeitete, kämpfte und starb war die Idee einer neuen, gerechten und christlich - sozialen Gesellschaft. Die Wurzeln dieser neuen Gesellschaft sollten aus dem Glauben und den Positionen und Wertgrundlagen der katholischen Sozialverkündigung erwachsen und von einem neuen Typus von Arbeiter getragen werden.

Männer wie Nikolaus Groß, Bernhard Letterhaus oder Prälat Dr. Müller, aber auch Gottfried Könzgen, um nur ein weiteres Beispiel zu nennen, verstanden ihren Glauben immer auch als Auftrag. Als Auftrag, Missstände und Ungerechtigkeiten beim Namen zu nennen. Sie suchten keine Nischen in der Gesellschaft, um sich bequem zurückzulegen. Ihre Methode war die Methode der KAB: sehen, urteilen und handeln! Sie nutzten die Instrumente und Vorraussetzungen die ihnen die KAB bot, um für eine bessere und gerechtere Welt zu streiten. Der ( noch ) gut organisierte und mitgliederstarke Verband, Bildungs - und Öffentlichkeitsarbeit, Tagungen, Kongresse und Veranstaltungen aller Art dienten auch dem Zweck, die Auseinandersetzung mit den damaligen geistigen Brandstiftern der Nation zu suchen und zu führen.

Doch Nikolaus Groß ist nicht nur eine historische Persönlichkeit. Vielmehr gilt was Weihbischof Grave anlässlich der bevorstehenden Seligsprechung über ihn sagte: "...ein Mann am Galgen, aber nicht tot zu kriegen...".


Nikolaus Groß lebt, wenn wir uns an seinem Handeln orientieren. Im Gebet um die Seligsprechung heißt es: Er war "...ein unbestechlicher Zeuge für Wahrheit und Gerechtigkeit und in hohem Verantwortungsbewusstsein hat er beispielhaft den teuflischen Mächten seiner Zeit widerstanden...". Sehen - urteilen - handeln: Auch heute, 56 Jahre nach dem gewaltsamen Tod von Nikolaus Groß, sind wir alle, Frauen und Männer in der KAB herausgefordert, unbestechliche Zeugen für Wahrheit und Gerechtigkeit zu sein und zu bleiben. Auch heute werden wieder Unwahrheiten über die vermeintlichen Verursacher von Arbeitslosigkeit, sozialen Ungerechtigkeiten und Missständen verbreitet und es scheint, als würden gerade junge Menschen auf die schlichten und falschen Parolen der Rattenfänger hereinfallen.

Nikolaus Groß lebt, wenn wir diesen Brandstiftern unser und sein Bild vom Menschen gegenüber stellen, wenn wir für die Würde eines jeden Menschen eintreten, egal woher er / sie kommt. Nikolaus Groß lebt, wenn wir die strukturellen Ursachen von Benachteiligungen und Missständen aufdecken und benennen und wenn wir uns für Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit einsetzen. Nikolaus Groß lebt, wenn wir uns seinem Erbe verpflichtet fühlen und ihn aber auch zum Maßstab unseres Handelns heute machen.

Nikolaus Groß war nicht "von gestern". Er war eine besondere Persönlichkeit seiner Zeit, auf dessen Hilfe und Fürsprache wir als KAB heute und in Zukunft bauen können und dürfen. "Unser" Nikolaus Groß ist aktuell! "Unser" Nikolaus Groß ist Erbe aber vor allem Auftrag für uns persönlich und unseren Verband.